Tinnitus

Ja, ich habe lange nichts mehr geschrieben. Aber die Sache mit dem Tinnitus ist mal wieder etwas wovon ich der Welt gerne erzählen möchte. - Nicht zuletzt um eventuell den ein oder anderen zu warnen!


Was genau habe ich getan? Wo habe ich den Tinnitus her?


Ich mache daraus kein Geheimnis und werde alles offen und namentlich nennen.

Am 15. Juni 2013 war ich bei Hafen 49 - Lexy & K-Paul standen auf dem Programm!

Es war laut, dreckig, schräg und GEIL!
Getanzt, gefeiert, gelacht - und weil es so toll war - Abends direkt noch mal ins Loft bis morgens um 6.

Ja, es ging mir gut, so gut!

Bis ich morgens um halb neun nach Hause kam. Schlafen ging. Aufwachte. Und das Rauschen immernoch extram laut war.


Was ist passiert?


Im nachhinein glaube ich, hatte ich bereits nach der Party bei Hafen49 einen Schaden erlitten. Ich erinnere mich, dass ich mich etwas schwummrig fühlte (habe nur Wasser getrunken).
Vielleicht wegen des Gleichgewichtsorgans..

Mir fiel nach dem Club - draussen - direkt auf, dass der Tinnitus sehr laut ist.

Dass man nach einer Club Nacht einen Tinnitus hat ist ja an sich ziemlich normal. Nur sollte dieser nach einigen Minuten bis ein paar Stunden vergangen sein.


16. Juni 2013 - Sonntag Nachmittag - Es rauscht - Und jetzt?


Da mir das Ganze wirklich große Sorgen bereitete, ging ich am späten Nachmittag noch zum ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Das Ergebnis: Erguß auf dem Trommelfell, ein "schwitzen" des Trommelfells - Lärmtrauma.

Wenn es am Montag nicht besser ist, auf zum HNO!


Montag, 17. Juni 2013 - der HNO ruft! - 1. Infusion


Natürlich ist das Rauschen noch da. 
Beim HNO angekommen - Hörtest, Bestimmung des ungefähren Tinnitus - Geräusches.

Beim Hörtest habe ich immer sehr lange gebraucht, bis ich die jeweiligen Piepslaute gehört habe.

Wieso? Mein Tinnitus hat die Geräusche schlicht und ergreifend übertönt.

Besorgniserregend.

Google berichtete mir, dass die Behandlung ein feiner Selbstzahler ist und man tief in die Tasche greifen muss. Oder auch Taschen..

Auf zur Apotheke mit einem Privatrezept - Ampullen für Infusionen holen!

Trental - 10er Ampullen - 17,34 €
   
Zurück zur Praxis - auf die Liege - an die Nadel.

*Startschuss* für den Infuionsmarathon!

Nachmittags war ich draussen - die Heidelberger - Neckarwiese schrie nach meiner Aufmerksamkeit!
Ich war gut abgelenkt - bemerkte kein Rauschen und fühlte mich gut und entspannt!

TIPP:
Ablenkung ist das A und O. Durch Ablenkung gerät das Rauschen im Ohr in den Hintergrund. Das Gehirn muss sich auf andere Geräusche und Dinge konzentrieren - und man hat einige entspannte und sorgenfreie Stunden!


Dienstag, 18. Juni 2013 - 2. Infusion


 
Da liege ich wieder, auf der Liege, an der Nadel...

Das Rauschen Verändert sich. Ist aber da. Und meine Angst, dass es nie wieder weg geht ist am stetigen wachsen.

Nachmittags war ich mit Oma einkaufen. Kaufland.

Jetzt weiß ich wie es ist, wenn man sich "irre" fühlt und durchdreht.

Die Geräuschkulisse in diesem Laden war unerträglich.
So viele Geräusche, welche meine Ohren reizten.
Ich wusste teilweise nicht "Kommt das aus meinem Ohr?", "Oder kommen die Geräusche aus dem Laden?"

Es war schrecklich!

Ich hab Oma gesagt ich kann nicht hier sein und bin so weit es geht vor all diesen Geräuschen geflohen. Und wartete bis Oma auch endlich wieder bei mir war.


Mittwoch, 19. Juni 2013  - 3. Infusion



Was soll ich nun großartig erzählen?

Achja! Genau! Es war im Gespräch auch mit Cortison zu behandeln.

Also: 1. Infusion zusätzlich mit Cortison.

Der Tinnitus? Keine Ahnung mehr. War wieder ein etwas anderer Ton. Aber immernoch "laut" und stark präsent.





Donnerstag, 20. Juni 2013  - 4. Infusion


Auf die Liege, an der Nadel... Aber anderer Arm, Rechts "geht nix mehr" zu verstochen...


Cortison Tag 2.
Geräusch Veränderung:
Es hört sich nun etwas an wie eine Stimmgabel.
Wenn ich mir die Ohren zuhalte, höre ich es am besten. Das "leise" schwingen einer Stimmgabel..






Freitag, 21. Juni 2013  - 5. Infusion


Jetzt muss ich schon Freunden zum Feiern absagen, weil ich nichts machen darf, was mit lauter Musik zu tun hat.

Cortison Tag 3.

Und nun kommen wir wieder zu einem Kostenpunkt:

Trental - 20er Tabletten - zirka 16,30 €


Wieso nun Tabletten?
- Diese Antwort ist ganz einfach: Ich kann am Wochenende keinen Infusionstermin wahrnehmen - somit muss ich nun den Wirkstoff in Tablettenform zu mir nehmen.

Die Tabletten sind übrigens PINK - immerhin ein kleines Grinsen huschte mir über das Gesicht - sieht man ja nicht allzuoft.
Beschriftet sind sie mit drei Großbuchstaben "ATA".


Samstag, 22. Juni 2013  - 1. Tag Tabletten

Tablette morgens nach dem Essen und Abends nach dem Essen.
Gegen Abend kurz Grillen gewesen auf der Mannheimer Neckarwiese.

Während der Autofahrt bemerkt: F*CK bin ich gereizt!

Klitzekleine Kleinigkeiten machten mich aggressiv! Ich war ungeduldig und wäre am liebsten ausgeflippt.
Dies verbesserte sich den Abend über leidet nicht.
Schlafstörungen beginnen.
Schweißausbrüche kamen.

Und:

Sonntag, 23. Juni 2013  - 2. Tag Tabletten


Nebenwirkungen der Tabletten:
Schlafstörungen, Schweißausbrüche... 
(Es beginnt eine Zeit, der Schlafstörungen, unruhigen Schlafes...)

Montag, 24. Juni 2013  - 6. Infusion

Ich musste an diesem Tag mal wieder via Privatrezept die 3 Cortison Ampullen holen - welche ich ja auch selber zahlen muss. Also wieder ein Kostenpunkt:
 

Cortison - 3er Ampullen - zirka 62,00 €

Es folgten Dienstag, 25. - Donnerstag, 27. Juni 2013

Am Donnerstag erfolgte die 9. Infusion.
Das Geräusch ist im Vergleich zur vorherigen Woche langsam zurück gegangen und ich drehe auch nicht mehr durch. Ich reagiere dennoch Empfindlich auf Geräusche wie z.B klirrendes Geschirr.

Es wurde heute wieder ein Hörtest gemacht.
Meines Wissens nach war er besser als der der vorherigen Woche.
Jedoch merke ich: Ein Ohr reagiert langsamer als das andere. Ich mache mir wieder sehr viele Sorgen.

Im Computer der Ärztin steht leider auch etwas von einer "Innenohrschewrhörigkeit" - Das ist natürlich nicht besonders Aufheiternd.

Da ich auf die Trental Tabletten gereizt reagierte, soll ich nun anstatt zwei pro Tag nur noch eine am Morgen nehmen.

Von den 20 Stück sind noch 16 übrig. Also 16 Tage lang Tabletten nehmen.
Infusionstherapie ist somit abgeschlossen.

Das Geräusch hört sich übrigens immernoch an wie das Schwingen einer Stimmgabel. Aber das nehme ich meist nur wahr, wenn ich mir die Ohren zuhalte. Ansonsten ist es eher das Rauschen.


Ich wache morgens auf und das erste was ich höre ich ein Rauschen.

Ich habe mich oft gefragt in dieser Zeit, ob ich jemals wieder eine ruhige, schöne Nacht genießen kann... 
In der die Stille so wundervoll ist..

Aber ich dann einfach abgelenkt bin, da genau in solch ruhigen Momenten der Tinnitus auch mal "Hallo, hier bin ich immernoch" sagt.

Schlafstörungen verfolgen mich. Ich schlafe so schlecht und unruhig, sodass ich garnicht wirklich erholt bin, wenn ich "morgens" aufstehe/aufwache.

Mittlerweile ein kleines Fazit zu den Kosten meiner Behandlung:



Trental - 10er Ampullen_______________17,34 €
Trental - 20er Tabletten_______________16,30 €
Cortison - 3er Ampullen_______________62,00 €
Parkkosten - zirka Angabe_____________10,00 €
9 Infusionen (je zirka 35) gesamt______288,00 €

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...........................................................393,64 €
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Wie geht es mir jetzt - 6,5 Wochen später?

Heute ist der 30./31. Juli 2013.
Es ist die Nacht zum Mittwoch. Und ich schreibe diesen Beitrag.

Ich war vor zwei Wochen zur Kontrolle beim HNO.
An diesem Tag war das Rauschen sehr präsent. Mich hat das Thema wieder sehr beschäftigt.
Es belastet mich.
Die Kosten, der Ärger, die Wut auf sich und die Veranstalter...
Und die schlechte Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen!

Die Ärztin fragte wie es mir geht, ich sagte ihr, dass es heute zufälligerweise lauter ist als sonst, was sie jedoch nicht verwunderte.

Es ist normal, dass an Tagen an denen ein Termin ist man automatisch sich mehr auf das Thema sowie das Geräusch konzentriert - unterbewusst.

Nach dem Hörtest (bei welchem ich wieder bemerkte, dass ein Ohr schneller hört als das andere) fiel ich aus allen Wolken.


Ich habe super Ohren und ein klasse Gehör!



Zum Vergleich hier ein Bild. "Rechts" die letzten beiden Punkte stellen ungefähr dar, wie die Zeichnung der Linie durchgehend (weder steigend noch sinkend) auf dem Diagram aussah.
"Links" zeigt das Diagram wie es bei meinem letzten Hörtest ungefähr aussah.


Mein Gehör ist überdurchschnittlich gut, was unter anderem ein Grund dafür ist, dass ich den Tinnitus noch höre.

Einen bleibenden Schaden habe ich nicht davon getragen.

Seitdem bin ich glücklicher und es belastet mich nicht mehr so sehr - immerhin habe ich Super-Ohren!

Wie geht es weiter? - Ein Kontrolltermin im November und sollte etwas sein, vorher vorbeikommen.
Ansonsten viel Ablekung und Konzerte, Clubs und laute Veranstaltungen meiden.

Und wenn ich doch wohin gehe: Gehörschutz.


Ich habe mir direkt in der ersten Woche Ohrstöpsel gekauft, welche ich letztes Wochenende getestet habe.

Fazit: KLASSE! Ich finde sogar, die Musik klingt dann viel besser!

Jedoch kann ich trotzdem nicht lange in einer lauten Kulisse tanzen/stehen/trinken/reden.

Es ist einfach zu viel für's Ohr.


Die Ohrstöpsel:

MusicSafe SonicSet Pro - Kostenpunkt 23,75 € - sehr zu empfehlen!

Ansonsten habe ich noch die üblichen bunten Ohropax gekauft, welche ich allerdings noch nicht getestet habe.

Sollte jemand Fragen haben, kann er oder sie mir gerne stellen.

Ebenso freue ich mich über andere Erfahrungen oder ein Feedback!


Ich hoffe einige werden eventuell durch mich anfangen immer einen Gehörschutz bei sich zu haben und im Idealfall auch wirklich zu verwenden!

Schäden im Ohr sind irreparabel!
Das sollte jedem bewusst sein - Ansonsten macht doch alle eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker - Sicherlich ein Geschäft der Zukunft!



Anbei noch ein gutes Video zum Thema Tinnitus!





Kommentare:

  1. Ich habe einen starken Tinnitus seit Nov. 2012, wurde mit 10x Akkupunktur, Heilpraktiker-Therapie Meso, Cortison, Blutverdünnung, Tebonin, etc. behandelt...ein Ärztemarathon von 3 Monaten, aber das Geräusch ist nachts so laut, dass ich nicht schlafen kann. Daher nehme ich seit etwa 1 Jahr Stangyl-Tropfen in geringer Dosierung zum einschlafen. Diese Tropfen werden tagsüber als Antidepressiva verabreicht und nachts als Schlafhilfe. Angeblich kann man dieses Medikament jahrelang einnehmen, ohne Nebenwirkungen (bei geringer Dosierung). 1-2x pro Jahr gehe ich zur Kontrolle.
    Vor 5 Jahren hatte ich meinen ersten Tinnitus und der war schwach, kein Vergleich zu heute. Daher bin ich vorsichtig mit der Behauptung: ist alles eine Kopfsache. Es gibt eben große Unterschiede und man sollte jeden Fall einzeln betrachten. Manche Geräusche sind so unerträglich, dass man denkt, man wird verrückt.
    Inzwischen lebe ich gut mit meinem Handicap.
    Liebe Grüße Birgit

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    1. Oh, das klingt wirklich extrem :(
      Woher kam der Tinnitus denn?

      Ich hoffe das bessert sich alles irgendwann. ich fange langsam an mich damit abzufinden - einfach ist es jedoch nicht

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